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Rezension

Neue Autorität. Das Geheimnis starker Eltern

Eine Rezension von Edeltraud Steiner

Die Autoren:

  • Prof. Dr. phil. Haim Omer ist Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie an der Universität Tel Aviv.
  • Dr. Philip Streit, Klinischer und Gesundheitspsychologe, Systemischer Familientherapeut, Lebens-und Sozialberater, Leiter des Instituts für Kind, Jugend und Familie in Graz.

An den Beginn möchte ich die zwei deutlich erkennbaren Kernbotschaften des Buches, den sogenannten „roten Faden“, vorwegnehmen.

  1. Die Würde unserer Kinder ist unantastbar.
  2. Die elterliche Kraft ist unverzichtbar.

Diese elterliche Kraft nennen die Autoren „Ankerfunktion“ und sie behandeln in der Folge vier Formen der Verankerung:
Struktur - Präsenz und wachsame Sorge - Selbstkontrolle und Deeskalation - Unterstützung

Schon der Aufbau des Buches drückt eine für die Leser*innen klare, hilfreiche Struktur aus. Konkrete, lebensnahe, familiäre Konfliktsituationen bilden den Ausgangspunkt, von dem aus an das jeweilige Thema herangegangen wird. Die Begriffe werden genau geklärt. Es werden mögliche Fallen und Hindernisse beschrieben, die auf dem Weg zur „Neuen Autorität“ auftreten können. Schließlich folgt eine Zusammenfassung mit hilfreichen Tipps für den Erziehungsalltag. All dies in einem übersichtlichen, wohl durchdachten Format.

Was bedeutet es, als Eltern präsent zu sein? Es geht nicht um Kontrolle und das Erzwingen von bestimmten Verhaltensweisen. Es geht vielmehr um emotionale und physische Anwesenheit, mit den Kindern Durststrecken durchzustehen, für klare Regeln und Abläufe zu sorgen und Verantwortung für die Beziehung zu übernehmen - kurzum, das Kind in keiner noch so schwierigen Situation aufzugeben. 
Ein Kapitel widmet sich der Möglichkeit, Verhaltensänderungen durch Widerstand einzuleiten. Nachdem die Vor-und Nachteile sowie die Wirkungsweisen der üblichen Methoden des Bestrafens, Belohnens und Ausdiskutierens herausgearbeitet worden sind, werden Formen des Widerstandes vorgestellt: Eltern im Sitzstreik beispielsweise.
Ausführlich behandeln die Autoren auch „die Kunst der Wiedergutmachung“, die unerlässlich für ein nachhaltiges Lernen aus einer Konfliktsituation ist.
Der Anker „Unterstützung“ hat mich als Großmutter besonders angesprochen und gestärkt. Eltern müssen nicht mit allem allein fertig werden. Auch oder gerade in besonders heiklen Situationen Unterstützung zu suchen und zuzulassen, sowohl innerfamiliär als auch durch Lehrer*innen und Therapeuten*innen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern stärkt nachweislich Eltern und Kinder. Gerade im Kontext mit Gewalt ist es wichtig und notwendig, Unterstützung an der Seite zu haben.


Wer soll dieses Buch lesen?
Jedenfalls alle, die mit Kindern leben, Kinder zeitweise betreuen, mit ihnen als Pädagogen*innen, Therapeuten*innen oder Trainer*innen arbeiten, eigentlich ist es ein Buch für jeden Menschen. Nicht umsonst zitieren die Autoren auch den bekannten Satz:

„Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“

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