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BLOG - LESE-ECKE

Mit Vertrauen und Beharrlichkeit den Schulalltag und Prüfungssituationen gestalten

Mag. (FH) Christina Steixner-Buisson
Tiroler Kinder & Jugend GmbH
Fachbereich Soziale Arbeit & Schule
www.kinder-jugend.tirol
www.schuso.at

P ause
R richtig lernen
Ü berbringen der Noten
F alsch oder richtig?
U ngültig
N etzwerk
G ute Beziehung und Vertrauen
E ltern unterstützen
N ur ein Punkt hat gefehlt

Ins Zentrum dieses Artikels möchte ich die Aspekte der Beziehung, des Vertrauens und der Beharrlichkeit in Bezug auf Prüfungssituationen im Schulalltag stellen. So geht es doch wie so oft um die Haltung, die gegenüber einem Thema eingenommen wird, und die alle Beteiligten immer wieder überprüfen müssen.
Im Sinne der Neuen Autorität ist Beziehungsgestaltung und Präsenz ein wesentlicher Faktor im Zusammenleben und Arbeiten mit anderen Menschen. Diese sind auch auf den Lebensraum Schule übertragbar – Lernen durch Beziehung sowie persönliche Weiterentwicklung durch Vertrauen und Zuversicht sind ein Anker für die Herausforderungen im Schulalltag. Viele Schulen formulieren das bereits in ihren Leitbildern, leben es tagtäglich in der Praxis und gestalten so einen gesunden und gewaltfreien Lebensraum Schule.

Eine klare Verantwortung liegt bei den Erwachsenen.

Es ist die Aufgaben von uns Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen einen sicheren Platz zu ermöglichen, an welchem Lernen und sich Entwickeln möglich ist, an dem es erlaubt ist, Fehler zu machen – sogar zweimal oder dreimal – ohne jegliche Art von Abwertung erfahren zu müssen.
Es ist unsere Aufgabe, beharrliches Interesse an den Schülern*innen zu zeigen und angekündigte Leistungen und Vereinbarungen von den Kindern und Jugendlichen respektvoll und gewaltfrei einzufordern.
Wir Erwachsene sind dafür da, Kindern und Jugendlichen bei Schwierigkeiten, Sorgen und Ängsten zu unterstützen, dass sie sich diesen Herausforderungen stellen und daran wachsen können. Aber auch wir Erwachsenen bleiben nicht allein, wir kooperieren und unterstützen uns gegenseitig. 
Eine etwas andere Checkliste
Ich möchte an dieser Stelle eine kleine Checkliste anführen, die zum Nachdenken, Diskutieren und Reflektieren anregen soll. 

  • Schüler*innen können darauf vertrauen, dass Lehrer*innen sie als Personen schätzen und ihre Stärken sehen – egal welche Leistungen erbracht werden.
  • Schüler*innen werden Schritt für Schritt an die Prüfungssituationen in ihrem Leben herangeführt. Dies kann z. B. durch Probeschularbeiten erfolgen, durch klare Informationen über Abläufe und Inhalte. Der Umgang mit Nervosität wird besprochen und Möglichkeiten werden gemeinsam mit den Schüler*innen erarbeitet. Die Bedeutsamkeit der Benotung wird transparent gemacht – worauf beziehen sich die erbrachten Ergebnisse – und worauf nicht. 
  • Schüler*innen können sich sicher sein, dass sie die Möglichkeit haben werden, ihre Talente, Interessen und Stärken zu zeigen – auch abseits von Tests und Prüfungen. 
  • Schüler*innen können sich sicher sein, dass sie konstruktives Feedback über ihre Leistungen und ihr Können bekommen.
  • Schüler*innen wird mit Klarheit und Transparenz erläutert, was ihre Aufgaben sind, wann sie diese zu erledigen haben und was Konsequenzen sein können, wenn sie ihre To dos nicht erfüllen. Schüler*innen können darauf vertrauen, dass Lehrer*innen an Themen und Inhalten dranbleiben werden und dass sie beharrlich Hausaufgaben und Ergebnisse von anderen Aufgaben einfordern werden. 
  • Schüler*innen können ihren Lehrern*innen bei der Zusammenstellung der Prüfungsaufgaben vertrauen und bekommen die notwendigen Informationen zur Vorbereitung im Vorhinein. 
  • Schüler*innen können darauf vertrauen, dass die Notengebung transparent und nachvollziehbar begründet werden kann.
  • Schüler*innen vertrauen ihren Lehrer*innen, dass die Ergebnisse nicht abwertend vor der gesamten Klasse präsentiert werden und dass niemand bloßgestellt wird. Ergebnisse werden in einem vertraulichen Rahmen mitgeteilt – im Idealfall in Form eines Gesprächs, in dem man gemeinsam eruiert, wie eine Verbesserung erfolgen kann – und welche Unterstützung hier benötigt wird. 

Die Aufgabe der Eltern und das Unterstützer*innennetzwerk

Natürlich spielen bei dem Thema Leistung auch die Erziehungsberechtigten eine große Rolle. Eine wichtige Aufgabe von Eltern liegt meiner Meinung darin, den Selbstwert der Kinder zu stärken: sei es bei guten Noten oder bei nicht so guten Noten, vor den Prüfungen und danach. In Bezug auf die Schule, die Freizeit und dem Alltag zuhause. 
Eltern sollen ihre Kinder stärken, ihnen Mut machen, präsent sein und für sie da sein. Hier geht es nicht um ständige zeitliche Verfügbarkeit, sondern dass Kinder wissen: 
„Meine Eltern stehen zu mir, sind für mich da, unterstützen mich, geben mir Feedback, fordern und fördern mich.“ Eltern bieten Kindern eine tragfähige Beziehung an, mit allem, was dazu gehört: Konflikten und Versöhnung, mit Ängsten, Sorgen und Vertrauen. Mit Motivation und Beharrlichkeit und der gesunden Prise Humor, die wir nicht verlieren dürfen.
Und doch ist es für Eltern und Erziehungsberechtigte immer wieder eine Herausforderung, gelassen und beharrlich am Schulalltag ihrer Kinder teilzuhaben. Hier können sich Eltern ganz im Sinne der Neuen Autorität ein Unterstützungsnetzwerk aufbauen. Wer kann die Eltern und die Kinder unterstützen, wenn es darum geht, einen guten Umgang mit Hausübungen, Tests oder Prüfungen zu finden. Wer hat die notwendige Geduld, das Können, die Ruhe und die Beziehung, um gemeinsam „besser“ lernen zu können und einige Herausforderungen des Schulalltags mit den Kindern zu meistern. Vielleicht sind das die Großeltern, Verwandte, Lehrer*innen, Freunde*innen oder Nachbarn*innen. 

Professionelle Unterstützungsangebote

Neben den Lehrern*innen, der Schulleitung und Erziehungsberechtigten gibt es für Schüler*innen auch innerhalb des Lebensraums Schule verschiedene Unterstützungssysteme, die mit einem professionellen Blick von „außen“ neue Perspektiven und Lösungswege aufzeigen können.
Eines diese Unterstützungsangebote in Tirol ist die SCHUSO – Schulsozialarbeit, die mittlerweile mit 50 Sozialarbeiter*innen an 51 Schulen tätig ist. 
Unter dem Motto „offen – freiwillig – vertraulich“ bieten die Schulsozialarbeiter*innen Beratungen für Schüler*innen an. Außerdem wird präventiv und intervenierend mit Klassen und Gruppen gearbeitet, der Lebensraum Schule wird aktiv mitgestaltet (www.schuso.at).
Wenden sich Schüler*innen an die SCHUSO – Schulsozialarbeit mit Fragen zum Thema Umgang mit Prüfungssituationen oder Angst vor den Ergebnissen, wird nach einer ausführlichen Situationsanalyse gemeinsam erarbeitet, welche Art von Unterstützung benötigt wird. Ressourcenarbeit, Umgang mit Stress und Nervosität und das Erarbeiten von unterschiedlichen Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten stehen hier im Vordergrund. Getragen von einer vertrauensvollen Beziehung können Schüler*innen Unterstützung und Selbstwirksamkeit erfahren.

Ein Abschlussgedanke

Abschließen möchte ich meine Ausführungen mit einem kleinen Beispiel aus meinem persönlichen Alltag.
Die Lehrerin meines Sohnes zählt in den Ansagen bzw. Diktaten der Kinder nicht die Fehler, sondern die richtig geschriebenen Wörter. Es steht am Ende also nicht, dass das Kind fünf Fehler gemacht hat, sondern 45 Wörter richtig geschrieben hat. Und das ist für so junge lernende Menschen eine richtig gute Leistung.
Ein kleiner Fokuswechsel – mit Haltung und großer Wirkung.

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