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MEINUNG – JEDEN SAMSTAG IM MÄRZ – GEDANKEN VON MSGR. MAG. JOSEF STOCK

"LANGER ATEM UND UNERSCHÜTTERLICHES VERTRAUEN"

"Wir dürfen einander nicht hängen lassen. Vernunft ist angesagt, Augenmaß und Verzicht. Wir können all das schaffen – aber nur gemeinsam!" Josef Stock gewährt uns Einblick in sein gedankliches Szenario zu den aktuellen Entwicklungen entlang der Corona Krise; nachzulesen in den Märzausgaben der Tiroler Tageszeitung (TT), 2020.

 


Meinung – 28.03.2020

Das reduzierte Leben

„Unser Land schafft das!“ – ein emotionaler Appell der Politik an die Menschen in unserem Land. Dahinter stecken unerschütterliche Hoffnung und feste Entschlossenheit, dem Virus zu widerstehen, um es möglichst schnell auszurotten. Der zu Recht verordnete „Hausarrest“ trifft die Menschen hart, Gewohntes muss zurückstehen, ein neuer Stil der Alltagsbewältigung hält Einzug. Leicht kann es sein, dass man die Bodenhaftung verliert. Oft sind die Nerven angespannt.
Das Zusammenleben auf engem Raum erfordert viel Empathie.

In diesen Tagen und Wochen hilft - neben körperlicher Betätigung - auch geistige und geistliche Nahrung. Viele haben nun Zeit, endlich wieder einmal nach Herzenslust zu lesen, miteinander zu spielen und Dinge zu tun, die sonst vernachlässigt werden. Aufgrund der Maßnahmen gegen das Coronavirus helfen besonders die Angebote in den sozialen Medien, in Radio und Fernsehen. Gottesdienste oder die Spendung der Sakramente sind in gewohnter Weise nicht mehr möglich. Der Abschied am Friedhof kann nur vom engsten Familienkreis vollzogen werden. Das Land Tirol hat in Kooperation mit der Diözese Innsbruck eine Corona-Sorgen-Hotline eingerichtet: ein Gesprächsangebot in Ergänzung zur Telefonseelsorge. „Der Glaube besitzt immense Solidaritätskraft“, wie Bischof Hermann Glettler betont.

Wir schaffen das! Die größte Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg fordert alle heraus. Vieles, nein alles ist im Umbruch. Das soziale Leben kommt zum Stillstand, Kunst und Kultur werden nur mehr über Medien vermittelt. Die Verbreitung von COVID-19 zeigt erschreckend auf, wohin Globalisierung führen kann. Da heißt es zusammenstehen. Die von der Regierung gesetzten Schritte sind schmerzlich und einschneidend, aber not-wendig, das heißt wörtlich: sie wenden Not. Nun zeigt sich die wichtige Rolle, die die Bürgerinnen und Bürger innehaben, wenn sie all die Einschränkungen akzeptieren können und wollen. Gerade in der Einschränkung der Sozialkontakte zeigt sich die Solidarität der Menschen untereinander, die aufeinander Rücksicht nehmen, um selbst geschützt zu sein. Wir dürfen einander nicht hängen lassen. Vernunft ist angesagt, Augenmaß und Verzicht. Wir können all das schaffen – aber nur gemeinsam!

Msgr. Mag. Josef Stock ist Domkurat am Dom zu St. Jakob in Innsbruck und geistlicher Konsulent im k+lv

 

Meinung – 21.03.2020

Gesundheit ist nicht alles…

…aber ohne Gesundheit ist alles nichts!

Kaum einmal trifft die Weisheit, die dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860) zugeschrieben wird, derart zu, wie in diesen Tagen und Wochen des Coronavirus. Zitiere nochmals: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts!“ Wir erleben eine rasante Ausbreitung einer Virenerkrankung, die die Menschen weltweit, und eben auch alle in unserem Land besonders ganz hart trifft. Eine derartige globale und lokale Krise kenne ich mit all jenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren sind, nicht. Das öffentliche Leben ist stark eingeschränkt. Wer hätte gedacht, dass die geliebte Bewegungsfreiheit auf ein Minimum reduziert werden muss, dass sämtliche Bildungseinrichtungen ungewollte „Ferien“ machen müssen, Gastbetriebe geschlossen sind, Sport- und Spielplätze nicht benützt werden dürfen, die Tourismuswirtschaft zum Stillstand kommt und Kaufhäuser, Friseurbetriebe usw. geschlossen bleiben! Das Land erlebt den „Notbetrieb“. Die Verantwortlichen in Bund und Land appellieren unermüdlich an die Vernunft der Einzelnen, ihren Beitrag zur Reduzierung der Seuche zu leisten. Denke, dass die allermeisten die fragile und äußerst ungewisse Situation sehr ernst nehmen. Ich sehe diese massiven Einschränkungen auch als Chance der Besserung.

Es kommt auf jede/n einzelnen an. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis. Jede/r einzelne ist gefordert. Gerade in diesen Tagen und Wochen ist Selbstdisziplin angesagt. Konsequente Askese nützt dem einzelnen Menschen und der Allgemeinheit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele guten Willens sind und die Krise sehr ernst nehmen. Ein besonderes Augenmerk ist auf jene zu richten, die sich um den sicheren Arbeitsplatz Sorgen machen müssen oder die nicht wissen, wie es mit ihren Kindern oder älteren Verwandten weitergeht. Die Gesundheit „gefährdeter“ Menschen, aber auch die eigene Gesundheit steht auf dem Prüfstand. Scharfe Maßnahmen, wie sie bei uns in Tirol verordnet wurden, sind vernünftig und mehr als nachvollziehbar. Man wird sehen, wie lange uns die Seuche in Bann hält. Einschneidende Aktionen, das Virus endgültig vertreiben zu können, sind gemacht. Allerdings braucht es einen ganz langen Atem und - unerschütterliches Vertrauen.

Msgr. Mag. Josef Stock ist Domkurat am Dom zu St. Jakob in Innsbruck und geistlicher Konsulent im k+lv

 

Meinung – 14.03.2020

Die Freiheit einfach loszulassen

Die allermeisten Dinge auf unserer Welt sind ungerecht verteilt. Nur eines haben alle: Jeder Tag hat 24 Stunden, also 1440 Minuten zu 60 Sekunden. Wir können die Zeit genauer messen als je eine Generation zuvor. Die Lebenserwartung der Menschen wird immer größer. Aber hilft uns das auch, unsere Zeit zu verbessern? Ich gewinne Zeit, indem ich verzichten lerne. Zeit einteilen heißt Prioritäten setzen. Das Wesentliche tun. Das Unwesentliche lassen. Dass ein Tag randvoll gefüllt ist, heißt nicht zwangsläufig, dass er auch den Menschen erfüllt hat. Ein Leben ohne liebendes Handeln wird zu organisiertem Leerlauf. Erfüllte Zeit hat weniger mit der Quantität als mit der Qualität zu tun. Menschen z. B. sind bedeutend wichtiger als Minuten oder Stunden.

Warum hetzen wir uns? Keine Zeit zu haben ist wie ein Ausweis geworden, für unsere Tüchtigkeit und Wichtigkeit. Manchmal wundern wir uns, wenn jemand sagt, er oder sie habe Zeit, Müsste er/sie nicht ausgebucht, eingespannt, verplant sein? „Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nützen“, so der altrömische Philosoph Seneca im 1. nachchristlichen Jahrhundert. Zeithaben war zur Zeit Senecas ein besonders kostbares Privileg, das Menschen von hoher gesellschaftlicher Stellung, Könige, Adelige oder hohe Beamte genießen konnten. Zeithaben war so etwas wie ein Nachweis von Besitz, Wohlstand und Reichtum. Heute ist es umgekehrt: Wer oben steht, hat womöglich keine Zeit.

Hektik ist der Feind der menschlichen Beziehungen. Warum hetzen wir uns? Fürchten wir uns, für nicht tüchtig gehalten zu werden? Nicht gefragt zu sein? Im Grunde genommen ist es doch so: Ob wir Zeit haben oder keine Zeit haben, kommt auf die Art und Weise an, wie wir leben. Es kommt darauf an, wofür wir uns entscheiden. Zeit gewinnen können wir, wenn wir anspruchsloser und bescheidener leben. Dazu gehört der Mut zum Weglassen.
Ich kann nein sagen, ich delegiere Aufgaben, ich will nicht alles selber machen (müssen), ich kann mir Zeit nehmen, ich will mir helfen lassen. Wenn einer alles selbst machen will, braucht er sich nicht zu beklagen, dass er schließlich alles selbst machen muss! Einfach einmal abschalten und zur Ruhe kommen. 

Msgr. Mag. Josef Stock ist Domkurat am Dom zu St. Jakob in Innsbruck und geistlicher Konsulent im k+lv

 

Meinung – 07.03.2020

Fastenzeit - Zeit zum Genießen!

„Die Fastenzeit ist eine Zeit zum Genießen“, so die Aussage eines Freundes vor wenigen Tagen. Zunächst scheint mir dieser Gedanke sehr ungewöhnlich, ja sogar äußerst befremdlich. Ausgerechnet das Verzichten soll Genuss hervorbringen? Mit „Fasten“ verbinden viele doch eher Genussverbot, Mangel an Freude, Leib und Leben wird vergällt. Eine Kampfansage gegen irdische Freuden und Bedürfnisse. Ist das so?

Beim näheren Hinhören auf den Klang dieser Behauptung klingen Töne an, die der Fastenzeit als einer Genusszeit Recht geben. Denn mein Körper ist nicht mein Feind, sondern zuallererst mein Freund. Wer gesund bleiben will, braucht frische Luft, Bewegung, gute Ernährung und Berührung. Schon der altgriechische Arzt Hippokrates von Kos, der Vater der Heilkunde (460 - 377 v. Chr.) rät: „Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“

Viele seelische Beschwerden zeigen sich über den Körper. Viele geistige Nöte, Einsamkeit, die Sinnlosigkeit oder die Sinnsuche äußern sich in somatischen Beschwerden. Denn der Körper „lügt“ bekanntlich nicht!

So achten und pflegen, fordern und fördern wir unseren Körper, ohne ihn zu überfordern. Geben wir ihm die nötige Bewegung, seine Spannkraft durch vollwertige und ausgeglichene Ernährung. Dazu gönnen wir uns ein gerütteltes Maß an Entspannung und genügend Ruhe. Zur Abwechslung sorgen wir auch für die nötige Zeit zum Atemholen. Bauen wir ein freundschaftliches Verhältnis zu unserem Körper auf. Damit niemand seinen eigenen Körper hassen muss. Das versteht man unter einer sinnvollen „Leibsorge“.

Eine Zeit zum Genießen? Ja! Man könnte Fasten zunächst einmal bezeichnen als eine große „Entrümpelungsaktion“ bis hinein in jede Körperzelle. Man könnte Fasten vergleichen mit dem vertrauten Ritual des Frühjahrsputzes. Entschlackungs- und Reinigungsmaßnahmen tun Körper und Geist gut – sowohl für die Innenreinigung als auch für die Revitalisierung. Durch Fasten wird alles Schädliche aus dem Körper ausgeschieden. Die Wochen und Tage der Fastenzeit – ein Geschenk für Körper, Geist und Seele. Eine Zeit – wahrlich eine Zeit zum Genießen!

Msgr. Mag. Josef Stock ist Domkurat am Dom zu St. Jakob in Innsbruck und geistlicher Konsulent im k+lv

 

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14.05.2020 12:08

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14.05.2020 12:08

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28.04.2020 15:25

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28.04.2020 15:25

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28.03.2020 13:41

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28.03.2020 13:41

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