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Förderung personaler und sozialer Kompetenzen

Trainingsbausteine - im inklusiven Unterricht der Primarstufe

Trainingsbausteine zur Förderung der personalen Kompetenz

In diesem Artikel wird ein vierjähriges Forschungsprojekt vorgestellt, in dem mit Grundschülern*innen einer inklusiven Mehrstufenklasse des Elisabethinums in Axams Trainingsbausteine zur Förderung personaler und sozialer Kompetenzen umgesetzt und anschließend bewertet werden, mit dem Ziel,
ein praxistaugliches und evaluiertes Konzept für die Primarstufe zu entwickeln. Dieser Beitrag beinhaltet – bezugnehmend auf das erste Forschungsjahr – Übungen zur Förderung des Kennenlernens und Selbstwertgefühls der Schüler*innen, die Interessierten zur Nachlese unter www.ktlv.at zur Verfügung stehen.


Die Umsetzung der Übungen zum gegenseitigen besseren Kennenlernen der Schüler*innen der Mehrstufenklasse des Elisabethinums und zur Förderung des Selbstwertgefühls erfolgte im Sommersemester 2019 durch die Studierenden der Pädagogischen Hochschule Tirol, parallel zu ihrer Lehrveranstaltung „Konfliktmanagement“. Die Einheiten fanden im Beisein von beiden
Klassenlehrpersonen, freiwilligen Begleitern*innen und uns als teilnehmende Beobachtende statt.

Kennenlernen und Auflockern

Namens- und Kennenlernspiele werden vor allem zu Beginn des Schuljahres eingesetzt, aber auch dann, wenn ein Kind die Schule wechselt und neu in die Klasse kommt bzw. Lehrpersonen eine Klasse neu übernehmen. Um Teil des Gruppenprozesses zu sein, gilt es als Lehrperson, selbst an diesen Spielen teilzunehmen. Die Auflockerungsspiele ermöglichen einen konkurrenzfreien Umgang untereinander und können immer wieder eingesetzt werden. (Walker, 2011, S. 62)

Namensspiel mit Bewegung

Zeit: 10-15 Minuten (je nach Schülern*innen).

Ziel: Namen der anderen Kinder lernen.

Beschreibung: Die Klasse steht im Kreis und die Schüler*innen fangen an, sich mit ihrem Namen vorzustellen und eine Bewegung dazu zu machen. Die Vorstellungsrunde geht im Kreis herum.
Das Kind stellt zuerst den/die Schüler*in neben sich vor und dann sich selbst mit Namen und Bewegung.

Variation: Jedes Kind wiederholt nur den Namen des Vorkindes. (ebd., S. 62 f.)

 

Namensschilder

Zeit: 15-20 Minuten.

Ziel: Sich mit dem Namen darstellen.

Material: Namensschilder oder Tesa-Krepp.

Beschreibung: Jedes Kind fertigt für sich ein Namensschild mit einem kleinen Bild darauf, z.B. einem Symbol, an. Dann stellen sich die Kinder im Kreis auf und erklären ihr Symbole. (ebd., S. 44)

 

Papierrolle

Zeit: 15 Minuten.

Material: Klopapierrolle.

Ziel: besseres und vorurteilsfreies Kennenlernen.

Beschreibung: Zunächst nimmt jedes Kind im Sitzkreis von einer Toilettenpapierrolle einige Blätter weg,
so viele, wie es glaubt zu benötigen. Anschließend erfahren die Kinder, dass sie pro Blatt etwas von sich erzählen. (Hirling, o. J., o. S.)

 

Tiersuche

Zeit: 10 Minuten.

Material: eine kleine Schachtel, für jedes Kind ein Kärtchen mit einem Tierbild.

Ziel: Gruppeneinteilung nach dem Zufallsprinzip, Bewegung, in Kontakt treten.

Beschreibung: Die Schüler*innen ziehen aus einer Schachtel ein Kärtchen, auf dem ein Tier abgebildet ist, das den Mitschülern*innen nicht verraten werden darf. Auf ein Signal hin versuchen sich die Kinder möglichst schnell ihrer Tiergruppe entsprechend zusammen zu finden. Dies geschieht durch Imitieren
der Tierlaute. (Walker, 2011, S. 68)

 

Spinnennetz-Namensspiel

Zeit: 15-20 Minuten.

Ziel: Namen merken.

Material: strapazierfähiges Wollknäuel.

Beschreibung: Die Klasse sitzt im Stuhlkreis. Die Lehrperson nimmt das Wollknäuel in die Hand, hält das Fadenende fest, wirft dieses einem Kind zu und sagt: „Ich bin Frau … und werfe zu Maria“. Maria hält
die Wolle fest und wirft das Knäuel weiter, sagt dabei ihren eigenen Namen und den Namen des nächsten Kindes. Es entsteht ein Netz, das die Einzelnen in der Klasse miteinander verbindet. Dann geht das Wollknäuel wieder rückwärts, dabei wird es immer über die Schnur geworfen.

Reflexion: Z.B.: Wie habt ihr es erlebt, dass wir alle miteinander verbunden sind? (Walker, 2011, S. 63)

 

Rote Herzen

Zeit: 5 Minuten.

Ziel: aktive Einbeziehung der Eltern, Geschwister, Stärkung des Selbstbewusstseins und der Ich-Identität.

Material: Kopiervorlage Elternbrief, rote Papierherzen, Papier und Klebstoff, evtl. Schnur.

Beschreibung: Die Familien der Kinder werden gebeten, eine wertschätzende Mitteilung über ihr Kind auf einem roten Papierherz zu formulieren und dieses für die nächste Einheit wieder ausgefüllt mitzugeben.
In der folgenden Einheit stellen die Kinder ihre Herzen den anderen vor. Alle Herzen werden auf ein Plakat geklebt oder an Schnüren aufgehängt. Falls die Kinder keine ausgefüllten Herzen dabeihaben, schreiben Mitschüler*innen wertschätzende Bemerkungen darauf. (FiPP, 2010, S. 25 f.)

Selbstwert

Trotz der Tatsache, dass das Selbstwertgefühl der Kinder bereits stark durch primäre und auch sekundäre Sozialisation, etwa durch Kindergarten und Grundschule, geprägt ist, besteht dennoch die Möglichkeit
der Einflussnahme im Feld Schule. Die Art des Umgangs und des Miteinanders in der Klasse wirkt sich auf das Selbstwertgefühl der Schüler*innen aus. Im Rahmen dieses Themenkreises setzen sich die Kinder
mit ihrem eigenen Selbstwert und dem anderer auseinander. Dabei lernen die Schüler*innen, sich selbst und andere, unabhängig von ihren Schulleistungen, anzuerkennen. Eine positive Entwicklung des Selbstwertgefühls erfordert von den Lehrpersonen unter anderem, dass die Kinder im Unterricht ausreichend Gelegenheit finden, sich selbst darzustellen und von anderen Anerkennung und Bestätigung
zu erhalten. Auch das Verhalten der Pädagogen*innen (Vorbildwirkung) trägt wesentlich zum Selbstbild
der Schüler*innen bei. (Walker, 2011, S. 70 ff.) Walker (2011, S. 72 f.) regt Pädagogen*innen an,
darüber nachzudenken, inwieweit sie Verhaltensweisen von Kindern unterschiedlich bestätigen und
damit Stereotype verfestigen. In der Zeit der Pubertät nimmt gerade bei Mädchen der Selbstwert ab.
Diese Tatsache wird laut Untersuchungen im Feld Schule unter anderem noch zusätzlich verstärkt,
indem Lehrer*innen Jungen zu zwei Drittel und Mädchen nur zu einem Drittel Aufmerksamkeit schenken. (ebd., S. 75 f.)

Die Übungen und Spiele zur Förderung des Selbstwertgefühls sind in vier Themenschwerpunkte eingeteilt, auf welche im Folgenden eingegangen wird.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede 

Die drei Musketiere

Zeit: 15-20 Minuten.

Ziel: Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken und vorurteilsfreies, besseres Kennenlernen.

Material: Je ein Arbeitsblatt „Die drei Musketiere“ pro Gruppe.

Ziel: Förderung des Selbstwertgefühls mit dem Schwerpunkt: Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden, ohne darüber zu urteilen.

Beschreibung: Die Klasse teilt sich in Gruppen so, dass alle vier Schulstufen vertreten sind. Zuerst wird besprochen, dass es bei dieser Übung um die Feststellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Einzelnen in der jeweiligen Gruppe geht und nicht nur um Äußerlichkeiten. Dazu sammeln wir im Klassenverband einige Beispiele. Die Schüler*innen erhalten Arbeitsblätter, die sie in der Gruppe ergänzen. Für die Durchführung dieser Übung gelten zwei Regeln: Erstens, dass keine Namensnennungen erlaubt sind, und zweitens, dass alle Kinder mit den Antworten der anderen in der Gruppe einverstanden sind.

Das Arbeitsblatt beinhaltet drei Rubriken:

„Das sind drei Sachen, die wir alle mögen“.

„Das sind drei Sachen, die wir alle nicht mögen“.

„Darin unterscheiden wir uns (Ich bin anders, weil ...).“


Nach der Gruppenarbeit kommen die Schüler*innen im Stuhlkreis zusammen und stellen sich und ihre Arbeitsblätter vor. Die Übungsauswertung geschieht durch folgende Fragen:

Gab es in manchen Gruppen Überraschungen?

Habt ihr etwas erfahren, was ihr vorher noch nicht wusstet? (Walker, 2013, S. 77 f.)

Selbstbestätigung und Identitätsentwicklung

Pantomime: Etwas, was ich gerne mache

Zeit: 5-10 Minuten.

Ziel: Etwas von sich preisgeben, etwas nonverbal zum Ausdruck bringen und Neues über andere erfahren.

Beschreibung: Die Klasse sitzt im Kreis. Wer Lust hat, geht in die Mitte und führt pantomimisch vor, was er oder sie gerne macht, z.B. Fahrrad fahren, Computer spielen. Die anderen raten, was es ist. (Walker, 2007, S. 55)

Ich liebe ...

Zeit: 5-10 Minuten.

Ziel: Etwas von sich preisgeben und Neues über andere erfahren.

Beschreibung: Ein Ball oder ein ausgeschnittenes Herz wird dem ersten Kind überreicht. Dieses sagt beispielsweise: „Ich liebe ... Eiscreme“. Dann gibt dieses Kind den Ball oder das Herz an ein anderes Kind weiter. Dieses fügt etwas hinzu, das es liebt, etwa: „Ich liebe ... Basketballspielen". Das geht so lange,
bis jedes Kind an der Reihe war. Um das Spiel zu beschleunigen, muss die Aussage innerhalb weniger Sekunden erfolgen und identische Aussagen sind dann nicht erlaubt. (Hirling, o. J., o. S.)

 

Mein Wappen

Zeit: 20 Minuten.

Material: Arbeitsblatt „Wappen“ für alle.

Ziel: Förderung der Selbstbestätigung und Identitätsentwicklung, die Kinder erhalten Gelegenheit, Positives an sich selbst und an anderen wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Beschreibung: Diese Übung wird nach der Methode „Think-Pair-Share“ durchgeführt und setzt einen vertrauensvollen Rahmen voraus, in dem sich kein Kind über andere lustig macht.

Alle erhalten ein Arbeitsblatt mit einem Wappen, auf dem vier Rubriken schriftlich oder bildlich zu ergänzen sind:

1. Das kann ich gut ...

2. Das mache ich gerne ...

3. Das esse ich gerne ...

4. Davon träume ich ...

Anschließend bemalen die Schüler*innen ihre Arbeitsblätter und tragen ihre Namen ein. Nun vergleichen und stellen die Kinder ihre „Wappen“ in altersgemischten Kleingruppen vor und besprechen eventuelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Durch die freie Gruppenwahl wird ein vertraulicher Rahmen ermöglicht. (FiPP, 2010, S. 24)

Bestätigung von anderen 

Ich mag dich, weil ... oder Königsstuhl

Zeit: 15-20 Minuten.

Ziel: Fördern des Selbstwertgefühls mit dem Schwerpunkt Bestätigung von anderen.

Beschreibung: Zur Einführung werden positive Charaktereigenschaften in Form eines Brainstormings an der Tafel gesammelt (hilfsbereit, freundliche Art, aufmerksam, fröhliches Lächeln, ...). Ein freiwilliges Kind setzt sich in die Kreismitte, die anderen bleiben im Sitzkreis. Die Aufgabe der Kinder im Kreis besteht darin, demjenigen in der Mitte zu sagen, was sie an ihm mögen.

Auswertung: Wie habt ihr es erlebt, in der Mitte zu sein? Wie ist es den Schülern*innen des Außenkreises ergangen, die Komplimente machten? Was ist schwer oder leicht gefallen? (Walker, 2011, S. 77)

 

Heinzelmännchen

Zeit: 5 Minuten.

Ziel: Das Selbstwertgefühl von anderen bestätigen.

Material: Stift und Zettel für alle, Liste der „Heinzelmännchen“.

Beschreibung: Jedes Kind schreibt seinen Namen auf einen Zettel und faltet ihn zusammen. Dann werden die Zettel gemischt und neu an die Kinder verteilt. Für das zugewiesene Kind ist man beispielsweise für eine Woche das „Heinzelmännchen“, indem für dieses etwas Nettes gemacht wird, ohne dabei besonders aufzufallen. Bedingung ist, dass die Sache nichts kostet (z.B. bei der Hausübung helfen, den Platz aufräumen, etc.). Die Schüler*innen werden zwischendurch an ihre Aufgabe als „Heinzelmännchen“ erinnert. Nach einer Woche wird das Rätsel gelöst und die Übung reflektiert. (Walker, 2011, S. 76)

Ausblick

Das Ziel, das mit der Umsetzung dieses ersten Trainingsbausteins zur Förderung des gegenseitigen besseren, vorurteilsfreien Kennenlernens und des Selbstwertgefühls der Schüler*innen einherging,
wurde erreicht. Die Schüler*innen erhielten Gelegenheit, sich gegenseitig neu und anders
kennenzulernen, indem auf ihre Interessen, Fähigkeiten und Wünsche, die im Schulalltag oft nicht
sichtbar werden, fokussiert wurde. Zudem zielten die Übungen des ersten Trainingsbausteins darauf,
das Selbstwertgefühl jedes einzelnen Kindes zu fördern. In diesen Übungen fanden die Schüler*innen Gelegenheit, ihre Ich-Identität innerhalb der Klassengemeinschaft zu stärken und mit ihren jeweiligen Persönlichkeiten, Ressourcen und Hintergründen von den anderen gesehen und wertgeschätzt zu werden. (FiPP, 2010, S. 15)


Dipl. Päd., Hochschulprofessorin, Mag., Dr. Klaudia Kröll, Dozierende am Institut für Elementar- und Primarpädagogik der PHT in den Bereichen Bildungswissenschaften und Bewegung und Sport, und am ILS der Universität Innsbruck

Dipl. Päd., Hochschulprofessorin, Mag., Vera Zass, Dozierende am Institut für Sekundarpädagogik der PHT in den Bereichen Bildungswissenschaften und Bewegung und Sport, und am ILS der Universität Innsbruck

 

Kontakt: Prof.Mag. Vera Zass

Pädagogische Hochschule Tirol
Eduard-Bodem-Gasse 2/ 3. Stock/ ISP-Büro
Institute ISP, IEP, ILS

Mail: v.zass@ph-tirol.ac.at

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23.02.2020 23:58

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