47 wurde klingt aus heutiger Sicht fast schon belustigend Damals aber konnten solche An schuldigungen existenzbedrohend sein Die Vorwürfe gipfelten u a darin dass sie rauche sich schminke und sich modisch kleide noch dazu schon auf dem Beifahrersitz eines Man nes gesehen wurde Im Gegensatz zu männ lichen Lehrern hatte ja das Fräulein ganz allgemein in dieser Zeit kein Heimatrecht S 29 eine Rechtsgenossenschaft war ihr in diesem Sinne nicht zugesprochen Die Strukturen waren quasi kolonial Die Situation völlig entfremdet S 43 ff Städtisch geprägte Lehrpersonen noch dazu in die Passform eines Fräuleins gebracht konnten schwerlich aus dieser Entfremdungssituation ausbrechen Die Oppression seitens kirchli cher Hierarchien im Falle des Fräuleins der Stadtpfarrer war so hart wie demütigend Max Liedtke fügt in seinem dokumentarisch akribisch recherchierten Buch eine Reihe von Schriftstücken an die die Anklagesituation illustriert Mutig zeigte sich die Lehrerin darin dass sie der NSDAP nicht beitrat Liedtke arrondiert das Buch mit der Befragung von Zeitzeugen Lehrpersonen wie Schülern in nen einmal mehr wird deutlich wie sehr sich an Frau Käferlein die Gemüter erregten und die Geister schieden S 123 137 Max Liedtke dokumentiert vorzüglich den beschwerlichen Weg Frau zu sein in Zeiten der Entfremdung er zeigt aber auch die vie len Einzelschritte auf die nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem dann in den 70er Jahren zu einer breiten Emanzipation des weiblichen Lehrerstandes führten Die Parallelen zu Österreich sind dabei unübersehbar In dieser Hinsicht ist auch erstaunlich wie emanzipa tiv heute die katholischen Lehrervereine in Österreich dastehen und wie das Thema der Frauenrechte auch standespolitisch hoch rangiert Was Max Liedtke in besonderer Weise auszeichnet ist sein Bemühen ab wägend und behutsam zu argumentieren und die jeweiligen Umstände aus ihrer Zeit heraus in den Blick zu nehmen Damit umgeht er eine Ursünde pädagogischer Beschreibun gen die Gegebenheiten nicht von damals her sondern auch heutiger Zeit heraus zu beschreiben bzw abzuurteilen zu versuchen Schon in der Weimarer Zeit zeigte sich ihre Widerstandskraft In der NS Zeit hielt sie ihre Freundschaft zu einer jüdischen Familie auf recht was damals nicht nur nicht karriereför dernd sondern höchst gefährlich war Nach dem Krieg war Frau Käferlein Leiterin einer nationalen Entnazifizierungsstelle was ihr in der Folge nicht nur Freunde eingebracht hat Sie ist ein Musterbeispiel für eine freiheits liebende Demokratin die ihren Dienst ohne Unterbrechungen für das Gemeinwohl auch in Zeiten der Irrungen und Wirrungen ge stellt hat Käferlein von Liedtke so sorgfältig nachgezeichnet steht für eine Pädagogik der Solidarität und für eine Pädagogik demokra tisch bewusstseinsbildender Schritte Diese Schritte zu tun hat sich auch heute nicht aufgehört Dafür und das vermittelt Liedtke deutlich steht Helene Käferlein Peter Stöger Literaturverzeichnis Reinhard Kahl 2008 Die Schule geht in den Kindergar ten in Zeit Online von 31 01 2008 Hamburg Zeitverlag Gerd Bucerius zit in http www zeit de online 2008 06 bildung schule kinderarten komplettansicht

Vorschau KTLV Aufleben  2/21 Seite 47
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