39 GLOSSE VON PETER STÖGER Oft einmal ist es ja leichter etwas in Prosa Form zu bringen aber manchmal ist es doch leichter etwas in Gedichtform zu bringen So möchte ich einen kleinen Anstoß geben wie und wann und warum wir etwas als anständig bezeichnen so als hinge unser ewiges Leben davon ab Das erinnert mich an eine alte Zen buddhistische Geschichte die da nur eine Frage stellt nämlich Wer war der Erleuchte te Die simple Antwort Der Bankräuber Diese Geschichten sind auf der logischen Ebene nicht zu knacken deuten aber fast im mer an dass das Wesentliche und vor allem die Liebe bedingungslos sind Es ist eben nicht notwendig fromm zu sein um fromm zu sein Wir sind oft viel zu sehr verankert in und verbunden mit Voraussetzungen Zum Bei spiel Ich muss liebenswert sein um lieben zu können Anständig sein um anständig sein zu können Gescheit sein um weise sein zu können Hoffnungsfroh um zu hoffen etc Das hat mich vor Jahren einmal veranlasst ein kleines Gedicht zu schreiben das ich hier anhänge Ich habe ihm damals einen Haupt titel Der Moralist und einen Untertitel Vom ewigen Leben gegeben Hier ist es Geboren anständig Hauptberuflich anständig Nebenberuflich anständig Vorgeburtlich anständig Nachgeburtlich anständig In der Hölle anständig Im Himmel anständig Rhesusfaktor anständig Nabelknoten anständig Liebesleben anständig Urlaubshotel anständig Stuhlgang anständig Harnsäure anständig Konsumverhalten anständig Sittenbild anständig Nagelpflege anständig Steuererklärung fast anständig Gestorben ausständig Peter Stöger Institut für Lehrer innenbildung und Schulforschung Universität Innsbruck

Vorschau KTLV Aufleben  2/21 Seite 39
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