29 WIR WOLLEN UND WERDEN VERÄNDERN GEWALTPRÄVENTION IM SOLDINER KIEZ Wie alles begann Ein ganz normaler Tag im Berliner Soldiner Kiez Ein Funkwagen fährt seine Streife im Bereich Plötzlich kommt über die Einsatzleit zentrale eine Funkmeldung über 15 verdäch tige Jugendliche rein die eventuell Drogen zu sich nehmen sich lautstark unterhalten und herumkaspern Am Einsatzort eingetroffen nehmen die Jugendlichen sofort eine bedrohliche Haltung gegenüber den Polizeibeamten ein Ihr bekommt unsere Ausweise nicht Das dürft ihr nicht Verschwindet das ist unser Areal Wir holen unsere großen Brüder und unsere Verwandtschaft dann werdet ihr schon sehen Geschlossen demonstrieren sie ihren Widerstand gegen die polizeilichen Maßnahmen mit ihrem aggressiven Verhalten und ohne jeglichen Respekt gegenüber den Beamten Möglicherweise würde dieser Ein satz noch zu einer wochenlangen Fehde der Beteiligten führen So oder ähnlich sah das alltägliche Zusam mentreffen zwischen Jugendlichen und der Polizei noch vor einigen Jahren aus unver söhnlich und verfeindet Doch es hat sich was getan im Kiez etwas Grundsätzliches etwas Unvorhersehbares etwas Unbegreif liches Ein Brennpunktkiez mausert sich Gleiche Situation heute im Kiez Als die Polizisten am Ereignisort eintreffen ruft plötz lich einer der Jugendlichen Die Polizisten kenne ich ihr seid doch vom Abschnitt 18 und macht bei KbNa mit ihr spielt doch mit uns immer Fußball Sofort kommen die Jugendlichen auf die Polizisten zu begrüßen diese höflich und schon entwickelt sich ein freundschaftliches Gespräch Die Jugend lichen zeigen Verständnis für die polizeilichen Maßnahmen und die Gruppe lässt sich ohne Widerrede oder Protest auf die Forderungen der Polizisten ein Für Außenstehende ein befremdliches Bild mit dem sie zunächst nichts anfangen kön nen Kommt es hier etwa zu einer Verbrüde rung zwischen kriminellen Jugendlichen und der Polizei so ihr erster Eindruck Mut zahlt sich aus Aber welche unheimlichen Kräfte haben hier gewirkt Es geschah im Jahr 2009 als ein junger Sozialarbeiter mit sehr viel Mut im Gepäck den Weg zum damaligen Polizeiab schnitt 36 in die Pankstraße 29 fand Es war Yousef Ayoub Er selbst wuchs im Soldiner Kiez auf und erlebte als Jugendlicher am eigenen Leib die Verhärtung der Positionen im gegenseitigen Umgang Jugendlicher und der Polizei in seinem Kiez als große Belas tung und die permanenten Kontrollen durch die Polizeibeamten als Stigmatisierung So entwickelte er die Idee durch gemeinsame Aktionen der Kontrahenten aktiv zu einer Ver besserung des Verhältnisses zwischen den Polizeibeamten und den Jugendlichen bei zutragen und auf diese Weise wechselseitige Vorbehalte abzubauen Mit gemischten Gefühlen betrat er den Ab schnitt in der Hoffnung dass sein Vorschlag Gehör finden würde Seine Anfrage richtete er bewusst an den örtlich zuständigen Polizei abschnitt Diese uniformierten Beamten der Schutzpolizei sind tagtäglich im Funkwagen oder zu Fuß in diesem Kiez unterwegs und kommen ständig mit den Jugendlichen in Kontakt

Vorschau KTLV Aufleben  2/21 Seite 29
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