14 GEWALT IST KEINE PRIVATSACHE Der Psychotherapeut Martin Schölzhorn leitete bis Sommer 2019 den Fachbereich Kinderschutz der Tiroler Kinder und Jugend GmbH Aktuell arbeitet er als Psychothera peut Lehrtherapeut und Klinischer Psycho loge in freier Praxis in Innsbruck Im Interview mit dem Tiroler Sonntag spricht er darüber warum es so schwer ist Missbrauch an Kin dern und Jugendlichen aufzudecken und wie wichtig es ist dass erwachsene Menschen Verantwortung übernehmen Das Gespräch führte Walter Hölbling Tiroler Sonntag 25 Jahre Kinderschutz in Tirol Was hat sich geändert Martin Schölzhorn In den vergangenen Jahren ist bei vielen Menschen ein größeres Bewusstsein dafür entstanden dass es Miss brauch und Gewalt gegen Kinder gibt Geän dert hat sich auch die Erziehungshaltung der Eltern Körperliche Gewalt wird nicht mehr so sehr als Erziehungsmittel angewandt sondern ist heute oft Ausdruck und Folge von Überforderung und Ohnmachtsgefühlen der Erziehungspersonen Man muss sich be wusst sein dass das Verbot von Erziehungs gewalt erst seit 1989 gesetzlich verankert ist Wie ist das im Fall von sexueller Gewalt Bei der sexuellen Gewalt haben wir es in der Regel mit geplanten und bewusst gesetzten Handlungen zu tun Erwachsene Menschen instrumentalisieren dabei die Bedürftigkeit und das natürliche Interesse der Kinder für sich Die Verantwortung liegt aber klarerwei se zu hundert Prozent bei den Erwachsenen Dabei ist nur ein kleiner Bereich strafrecht lich relevant etwa sexuelle Handlungen mit und an Kindern und der damit verbundene Missbrauch des Autoritätsverhältnisses Strafrechtlich nicht verfolgbar sind aber zum Beispiel anzügliche Blicke sexuelle Grenz verletzungen wie zum Beispiel sexualisierte Berührungen am kindlichen Körper Worin liegt die Schwierigkeit diesen Missbrauch aufzudecken Missbrauch hängt immer mit Geheim haltungsdruck zusammen und mit einem Loyalitätskonflikt der Kinder Viele Kinder sind beschämt und haben selbst oft kein Interes se dass der erfolgte Missbrauch ans Licht kommt Sie geben sich selbst eine Mitschuld etwa wegen ihrer kindlichen Neugier am Geschlechtsteil des der Täters in oder dem Bedürfnis nach körperlicher Nähe Körperliche Gewalt ist oft Ausdtruck und Folge von Überforderung und Ohnmachtsgefühlen

Vorschau KTLV Aufleben  2/21 Seite 14
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